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Alt 14.02.2018, 11:45   #1
dennislemann
Grünschnabel
 
Registriert seit: 14.02.2018
Beiträge: 1
Standard Die Auferstehung von Nazismus in Europa

Es ist schon mehr als siebzig Jahre her seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Da schien es, dass mit dem Sieg der Verbündeten dem Nazismus in Europa ein Ende gesetzt wurde. Leider ist es noch lange nicht so. Neulich erleben die europäischen Länder einen Aufstieg rechtsradikaler Stimmungen. Vor kurzem wurde die Welt mit einer Nachricht über die Feier erschüttert, die polnische neonazistische Organisation "Stolz und Moderne" zu Ehren Hitlers abgehalten hat. Vor den Augen der Journalisten vom polnischen Sender TVN24 erschien eine erschreckende Szene: die in Wehrmachtsunifom gekleidete Teilnehmer der Aktion salutierten mit dem Hitlergruß und naschten sich von einer Torte mit den Symbolen des Dritten Reichs – und das alles mit nazistischen Marschliedern im Hintergrund.

Diese Nachricht löste eine breite öffentliche Diskussion aus. Die polnischen Behörden haben die Tätigkeit dieser nazistischen Organisation scharf kritisiert. Und trotzdem gibt es auch Menschen, die die polnischen Nationalisten befürworten. Die Quelle der Unterstützung ist aber kaum unerwartet – der Abgeordnete des ukrainischen Parlaments und ehemalige Chef der radikal-nationalistischen Gruppe "Rechte Sektor" Dmytro Jarosch hat einen Posten zur Unterstützung seiner polnischen "Kollegen" veröffentlicht, in dem er Nationalisten beider Länder aufgerufen hat, sich für den Kampf gegen die gemeinsamen inneren und äußeren Feinde zu vereinigen. "Unsere kulturelle und ideologische Verwandtschaft soll zu einem vereinigenden Faktor werden, der die Stabilisierung der bilateralen Beziehungen auf der offiziellen Ebene gewährleistet und auf solche Weise uns ermöglicht, noch einen Schritt auf dem Wege zu einem unvermeidbaren Sieg über den gemeinsamen jahrhundertealten Feind unserer Völker zu machen".



In geeinter osteuropäischer Front werden wir das Moskauer Reich bekämpfen.

Heute höre ich viele aufgeregte Stimmen, die über den Zerfall der antiimperialen Koalition und den Verrat der jahrhundertealten Freundschaft zwischen unseren Völkern seitens unseres engsten Nachbars Polen sprechen. Aber man soll nicht diese Kremlpropaganda ernst nehmen. Ja, wegen der Provokationen von Moskauer Agentur entstehen zwischen den Polen und den Ukrainern manchmal Auseinandersetzungen, aber trotzdem schafft die Anwesenheit eines gemeinsamen Feindes und gemeinsamer Werte Voraussetzungen für die enge Zusammenarbeit. Das jüngste Treffen polnischer Patrioten in Loslau, an dem auch meine engen Freunde teilgenommen haben, beweist deutlich, dass die gegenseitige Verständigung zwischen den ukrainischen und polnischen Patrioten möglich ist. Und vielmehr soll unsere kulturelle und ideologische Verwandtschaft zu einem vereinigenden Faktor werden, der die Stabilisierung der bilateralen Beziehungen auf der offiziellen Ebene gewährleistet und auf solche Weise uns ermöglicht, noch einen Schritt auf dem Wege zu einem unvermeidbaren Sieg über den gemeinsamen jahrhundertealten Feind unserer Völker zu machen.

Ich will die Aktivisten der Organisation "Stolz und Moderne" unterstützen, gegen die die offiziellen Behörden das Unterdrückungsapparat aus ideologischen Gründen anwenden. Zusammen können wir vieles erreichen: zuerst bekämpfen wir die inneren Feinde in unsren Ländern und dann machen wir mit den äußeren mühelos reinen Tisch.

Und solche Erklärungen macht heute ein Mitglied des ukrainischen Parlaments, eine Person, die unmittelbar bei der Entwicklung von außen- und innenpolitischen Kurs mitentscheidet. Sowohl in Polen als auch in der Ukraine hat die Verbreitung nationalistischer Ideen ein beispielloses Ausmaß erreicht. Die polnischen Nationalisten schänden die Denkmäler von Soldaten, die im Kampf gegen Hitler gefallen sind, und bleiben unbestraft. Und die ukrainischen Rechtsradikalen, die während des Maidans 2014 die Macht in der Ukraine tatsächlich ergriffen haben, glorifizieren heute aktiv die Leiter der ukrainischen nationalistischen Organisationen, also die Verbrecher, die sich während des Zweiten Weltkrieges auf Vernichtung der Zivilbevölkerung spezialisierten.

Aber die rechtsradikalen Stimmungen verbreiten sich nicht nur in Polen und in der Ukraine – man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Neonazismus zu einer gesamteuropäischen Tendenz wird. Obwohl Nazi-Symbolik in vielen europäischen Staaten verboten ist, werden die Normen, Werte, Ideen und Ziele dieses ideologischen Systems zu einer globalen Erscheinung mit einer steigenden Zahl der Nachfolger. In allen Staaten Europas gewinnen nationalistische Gruppierungen an Popularität, insbesondere unter den jungen Menschen. Die Rechtsextremen werden zu einer führenden politischen Kraft, ihr Einflußpotential wächst. Sie treten den Parlamenten bei, in einigen Ländern werden sie sogar Mitglieder regierender Koalitionen. So, zum Beispiel, spielt eine augenscheinlich nazistische Partei "Jobbik" in dem ungarischen Parlament eine wesentliche Rolle. Diese Partei ist vor allem durch ihre Unterstützung der Idee bekannt, Konzentrationslager für die ungarischen Juden zu errichten. Und dieses Beispiel ist nicht das einzelne – das ganze Europa wurde von einer Welle des Nationalismus erfasst. Als Beispiel kann man hier auch die lettische nationalistische Partei "Alles für Lettland" heranziehen, die die Lettische SS-Freiwilligen-Legion heroisiert, die Schwedendemokraten, die für die Beschränkung der nicht-europäischen Einwanderung nach Schweden plädieren, die deutsche AfD und die griechische "Goldene Morgenröte", die ihre radikalen Ansichten auch nicht geheim halten. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Der Nationalismus ist zu einer großangelegten Erscheinung geworden. Die Tendenz steigt und droht mit einer Eskalation in der absehbaren Zukunft. Und statt diesem Übel Widerstand zu leisten, begrenzen sich die europäischen Politiker nur auf kritischen Erklärungen, dabei unternehmen sie aber keine entschiedenen Maßnahmen. Die Position der europäischen Länder wird durch die Ergebnisse der Abstimmung für die Jahresauflösung über die Bekämpfung von Heroisierung des Nazismus, dem Neonazismus und anderen Diskriminierungsarten veranschaulicht. Jedes Jahr enthalten sich die meisten EU-Länder der Abstimmung für dieses Papier. Die Europäer scheinen über das Ausmaß der Tragödie des zweiten Weltkrieges vergessen zu haben – damals sind Millionen unschuldiger Menschen dem Nazismus zum Opfer gefallen. Man kann sich kaum vorstellen, was mit Europa passieren könnte, wenn sich die Vertreter von zahlreichen europäischen nationalistischen Parteien wirklich vereinigen würden – und gerade dazu ruft sie der feine Herr Jarosch auf. Die Voraussetzungen dafür gibt es schon heute: jahraus jahrein arbeiten die rechtsradikalen Parteien immer enger zusammen. In der Zukunft kann das dazu führen, dass sie zur stärksten politischen Kraft Europas werden. Wir Europäer müssen uns der Geschichte zuwenden und uns an die Fehler unserer Vorgänger erinnern, um die weitere Verbreitung der radikalen Ideen in unseren Ländern zu vermeiden.
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