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Alt 11.06.2018, 20:02   #11
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Das kommt darauf an, was man unter "Wissenschaft" versteht.
Nicht 'man', sondern DU.
Du hast geschrieben, dass Geisteswissenschaftler die Hoheit über die Stammtische haben.

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wenn man meint, die Wahrheit zu suchen und Vernunft walten zu lassen, wo Emotionen zu Fehlern geführt haben, dann ist "der Stammtisch" natürlich streng wissenschaftsfeindlich. Dann betreibt man aber auch weder Geschichtswissenschaft, noch Politologie, noch Juristerei. Und man sitzt auch nicht auf einem Thron aus mehreren Festmetern Totholz.
Ich fänd' es ja zur Abwechselung mal unglaublich geil, wenn du direkt auf eine Frage antworten würdest, statt mit sinnlosem Geschwafel davon abzulenken, dass du nur inhaltslos polemisiert hast.

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ja, aber die Bildzeitung verfolgt doch auch einen konsequent geisteswissenschaftlichen Ansatz.
Was für ein Schwachsinn...




Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Kannst Du ein (politisches) Problem der letzten 70 Jahre nennen, das unter wesentlicher Mithilfe von Geisteswissenschaftlern gelöst wurde?
Politische Probleme zu lösen, ist nicht die Aufgabe von Geisteswissenschaften.
Davon abgesehen könntest du in deiner Frage „Geisteswissenschaften“ auch durch Naturwissenschaften, Schachspieler oder Piloten ersetzen, meine Antwort wäre jedes mal 'Nein'.

Für eine sinnvolle Antwort, müsstest du erst mal definieren, ab wann du eine Problemlösung als solche anerkennst und ab wann du eine Mithilfe 'wesentlich' nennen würdest.

Da wir beide wissen, dass dieser Satz nur Polemik und Nebelkerze war, schenk uns beiden Zeit und erspar dir eine Antwort darauf.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
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Alt 19.06.2018, 17:40   #12
basti_79
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Beiträge: 10.975
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Nicht 'man', sondern DU.
Du hast geschrieben, dass Geisteswissenschaftler die Hoheit über die Stammtische haben.
Das ist ja sogar richtig.

Allerdings hatte ich gesagt, dass die Antwort auf die Frage, ob "der Stammtisch" "wissenschaftsfeindlich" wäre, davon abhängt, was man unter Wissenschaft versteht. Begreift man Geisteswissenschaftler als Wissenschaftler, dann haben erstens Wissenschaftler (nach diesem besonderen, sehr problematischen Verständnis des Begriffs) die Lufthoheit über die Stammtische, und zweitens ist dann "der Stammtisch" notgedrungen nicht mehr wissenschaftsfeindlich. Ansonsten käme es ja zu einem inneren Widerspruch.

Zitat:
Was für ein Schwachsinn...
Was ist am Ansatz der "BILD" denn bitteschön nicht geisteswissenschaftlich? Meiner Meinung nach setzen die das Konzept sogar noch verhältnismäßig gut um. Immerhin erzielen sie bei ihrem (immer weiter schrumpfenden Publikum) so etwas ähnliches wie Emotionen. Scheinbar können sie die Leute auch in Bewegung setzen. Ungezielte, oft auch fehlgeleitete Bewegung, aber immerhin Bewegung. Das ist Klassen besser als das typische Resultat der 350.000ten historischen Habitilation: GCS um 10 Punkte, glasiger Blick und reflexhafte Greifbewegungen.

Zitat:
Politische Probleme zu lösen, ist nicht die Aufgabe von Geisteswissenschaften.
Merkt man. Dummerweise maßen sich Geisteswissenschaftler aber vorzugsweise an, zu behaupten, dass sie selber, mithin auch "die Geisteswissenschaften", überhaupt in der Lage dazu wären.

Zitat:
Davon abgesehen könntest du in deiner Frage [ob Geisteswissenschaften jemals ein Problem gelöst hätten] „Geisteswissenschaften“ auch durch Naturwissenschaften, Schachspieler oder Piloten ersetzen, meine Antwort wäre jedes mal 'Nein'.
Naja, Naturwissenschaftler haben ja notgedrungen Ahnung von Logik und Wissenschaftstheorie (zumindest, wenn es sich im konkreten Einzelfall nicht um eine Cargo-Kult-Wissenschaft handelt). Daran scheint es oft zu mangeln. Schachspieler können immerhin Schach spielen, Piloten Flugzeuge steuern. Geisteswissenschaftler können nichts von beidem, aber dafür furchtbar wichtig über Wortwahl, historische und politische Kontexte, die Überlieferung (die Offizielle wie die Inoffizielle), religiöse Fragen, "Ethik" (oder was sie darunter verstehen) daherreden. Dafür müssen dann immer erstmal alle Räder angehalten werden, und am Ende stellt sich heraus, dass alles weitergehen kann und muss wie bisher.

Aber tatsächlich haben Naturwissenschaften (und Strukturwissenschaften wie Mathematik und Informatik natürlich auch) etliche Probleme gelöst. Beispielsweise:
  1. Wie man vermittels Statistiken Wahrheit erkennt und rechtfertigbar handelt (etwa Nightingale et.al, um 1860)
  2. Wie man elektrische Energie erzeugt und bereitstellt (vor 1900)
  3. Wie man große Mengen Informationen verarbeitet (vor 1900)
  4. Welche Konsequenzen sich aus Logik ergeben (etwa 1900-1930)

Dass diese Techniken/Strategien im Wesentlichen eingesetzt werden, weite Teile der Weltbevölkerung zu unterdrücken, genau wie z.B. Darwins Erkenntnisse zuerst eingesetzt wurden, Massenmorde zu begründen, muss uns jetzt nicht schocken. Immerhin sind wir schon so weit, jedem Menschen Verantwortung für sein eigenes Handeln zuzuschreiben.

Immerhin haben die Täter nicht in ihrem Wahnsinn erneut zum Massenmord gegriffen, nachdem die letzten Versuche dazu krass in die Hose gegangen waren. Dass sich da ein "dunkles Zeitalter" anschließen musste, in dem eine politische Dystopie verwirklicht wurde, um diejenigen, die nicht in der Lage waren, sich an eine neue Zeit zu gewöhnen, zu beruhigen, war ja auch irgendwie offensichtlich.

Tragisch ist, dass weite Teile der Behörden hierzulande immer noch in diesem dunklen Zeitalter leben und, um es mit Freud zu sagen, sich eher dem Thanatos zuneigen als dem Eros, und dass diese auch nicht von ihren Opfern ablassen wollen.

Zitat:
Für eine sinnvolle Antwort, müsstest du erst mal definieren, ab wann du eine Problemlösung als solche anerkennst und ab wann du eine Mithilfe 'wesentlich' nennen würdest.
Vielleicht wäre es sinnvoller, zuerst einmal wichtige Probleme unserer Zeit zu nennen. Ich würde da ausmachen:
  1. Der einzelne Mensch ("das Individuum") gilt den Behörden scheinbar immer noch nicht mehr als dem Bauern "das Stück Vieh". Sicherungsmechanismen (teilweise sogar formal etablierte), die uns vor den übelsten Grausamkeiten schützen sollten (Verfassung, "gesunder Menschenverstand", Ethik, Mitgefühl), sind anscheinend außer Kraft
  2. Noch immer gelten Worte scheinbar mehr als Handlungen. Das mag daher rühren, dass die allermeisten Menschen sich die meiste Zeit mit Worten auseinandersetzen. Es scheint an der Fähigkeit zu fehlen, sich beispielsweise das Leid derer auszumalen, die in Syrien ihr Dasein fristen müssen
  3. Denjenigen, die am meisten reden, gilt oft, was man einander über sie erzählt, mehr als das, was man über sie denkt. Dabei scheint es sich um einen (oft kolossalen) Fehlschluss zu handeln
  4. Logik, Ethik, Mitgefühl gelten als mindere Werte. Den Vorzug haben Geld, Macht, Einfluss, Respekt

Nachdem sich nun "bona fide" Geisteswissenschaften wie Philosophie 70 Jahre lang beispielsweise auch "der Ethik" angenommen haben, könnte man wenigstens Grundzüge von Resultaten erwarten. Wobei, man muss ja noch dazusagen, dass die genannten Probleme ja theoretisch gelöst sind. Es macht sich nur nicht bezahlt, wenn man ethisch handelt, Verbrechen unterlässt, logisch denkt usw. - darum lässt man es halt bleiben.

"Wesentliche Mithilfe" wäre jetzt z.B., wenn ein Geisteswissenschaftler einen Vorschlag machen würde, wie man das Millionenfache Leid in den Schulen wesentlich lindern würde. Das scheint nicht zu funktionieren, weil jeder Geisteswissenschaftler begreift, dass sein "Verständnis" nur aus den Schulen kommt, und weil der den Impuls verspürt, dieses "Wissen", diese "Weisheit" so weit wie möglich zu verbreiten. Für Geisteswissenschaftler scheint ein wesentliches Problem gelöst, wenn Millionen Menschen nachgewiesen haben, dass sie die Eckdaten der weimarer Republik aufzählen können. Dass daraus offensichtlich weder politisches Handeln, noch irgendein weiterer Gedanke entsteht, muss man heute dazusagen.

Ich finde kaum Worte, um meine Enttäuschung über das Versagen der Geisteswissenschaften zum Ausdruck zu bringen.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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