:: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften ::

 

Zurück   :: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften :: > Politik & Wirtschaft > Politik & Zeitgeschehen > Justiz

Justiz Richter und ihre Eigenarten, Strafrecht, Äußerungsrecht, die Gültigkeit der Verfassung hier und anderswo

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 28.03.2018, 15:35   #1
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.125
Standard Framing eines Sozialrichters

Das muss man sich mal reintun: Da unterstützt einer Jahrzehnte das überkommene System, und bekommt dann auch noch eine gute A4 mal 350.000 dafür, dass er "weiter wie bisher" blökt.

Framing-Manöver:
  1. Die Aktionen der Bonzokratie mit Worten wie "programmiert" als Missbrauch darstellen, ohne den Skandal dahinter auch nur zu thematisieren.
  2. Die Opfer als willenlose Objekte der Bonzen darzustellen und als selbst verantwortlich ("Die [langfristigen Wirkungen] zeigen sich besonders bei der Entwicklung des Humanvermögens, vor allem beim Bildungsniveau.", "Wir haben einen festen Sockel von 1,5 Millionen jungen Menschen zwischen 20 und 30 in der Dauerarbeitslosigkeit, obwohl diese Jahrgänge ständig kleiner werden." - die Frage, was das bedeuten soll, wird gar nicht gestellt)
  3. Die Verantwortlichen von Schuld freizusprechen ("Diese Instrumente wurden aber größtenteils inzwischen nach Brüssel und an die EZB abgegeben und so der Airbag für den Arbeitsmarkt, demontiert.")
  4. Sich selber aus der Schusslinie zu nehmen ("Ein Arbeitsmarkt, bei dem Arbeit und Kapital nicht auf Augenhöhe miteinander verhandeln, kann niemals funktionieren.") - Borchert trägt ja selber einen Teil der Verantwortung dafür, dass das in Hessen nicht mehr funktioniert

Dass seine (Titel-)Frage ("Warum die Agenda 2010 als Erfolg begriffen wird, ist mir ein Rätsel") im Frame der Regierungen, der hier abgefragt wurde, nicht beantwortet werden kann, ist offensichtlich. Die Regierungen, die "Agenda 2010" als Erfolg begreifen, tun das, weil die "Agenda 2010" genau den Zwecken dient, für die sie erfunden wurde. Der einzige denkbare Widerspruch ist die Tatsache, dass er die Hand beißen müsste, die ihn füttert, um die Antwort auszuformulieren. Und weil er das nicht kann, verharrt er im "weiter wie bisher"/"ich wollt's ja nur mal gesagt haben"...

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaf...mpression=true
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.03.2018, 21:30   #2
Lupo
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Lupo
 
Registriert seit: 19.10.2007
Beiträge: 6.686
Standard

Hast du denn auch inhaltlich irgendwas an dem, was der Sozialrichter sagt, auszusetzen, oder bleibt es beim ad-hominem?
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
Lupo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.04.2018, 12:41   #3
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.125
Standard

Wenn es nur um den Sozialrichter ginge... Die Fragen sind mindestens genauso doof wie die Antworten...

Zitat:
Zitat von SZ
Die Agenda 2010 hat Deutschland verändert, Ökonomen sagen: zum Guten. Doch sie hat Millionen Menschen vom normalen Leben ausgeschlossen. Hat die Bundesrepublik überhaupt noch eine soziale Marktwirtschaft?
Das kann man jetzt noch im Sinne einer Einleitung durchgehen lassen.

Zitat:
Zitat von Borchert
Was der damalige Kanzler Gerhard Schröder am 14. März 2003 im Bundestag präsentierte, hatte die Bundesrepublik in dieser Form noch nicht gesehen.
Korrekt, aber warum hat der Bundestag nicht in der Zwischenzeit etwas daran geändert?

Zitat:
Das gilt nicht nur für jene, die Hartz IV bekommen, sondern auf für Menschen, die hart arbeiten aber so wenig verdienen, dass es für mehr als die Existenzsicherung nicht mehr reicht.
Das ist geläufig, es ist aber schon ein starkes Stück, dass man meint, einen Sozialrichter fragen zu müssen, um darüber Auskunft zu erhalten.

Zitat:
Die Agenda 2010 hat einen wesentlichen Beitrag dafür geleistet, dass unser Wirtschaftssystem den Idealen der sozialen Marktwirtschaft Hohn spricht.
Meines Wissens gibt es keine "Ideale der sozialen Marktwirtschaft", die Gesetz wären oder irgendwie sonst Beschlusslage des Bundestages. Darauf käme es aber an. Beschlusslage ist: Faschokapitalismus per Agenda 2010. Und er in seiner Position als Sozialrichter wäre dafür zuständig, die härtesten Auswüchse dieser Fehlentwicklung zu bekämpfen - und zwar im Amt, und nicht, indem er der SZ (vermutlich wegen ihres "sozialen" Rufs) feuilletonistische Interviews gibt.

Zitat:
Wir haben den Aufstieg der Bundesrepublik besonders der Tatsache zu verdanken, dass man sich lange Zeit klar darüber war, dass die Kraftreserven jeder Volkswirtschaft im untersten Einkommensdrittel liegen.
Wieder inhaltlich falsch: Den "Aufstieg der Bundesrepublik" (den Erfolg des goldenen Zeitalter des Kapitalismus) haben wir der Tatsache zu verdanken, dass nach dem zweiten Weltkrieg alles mögliche kaputt war und aufgebaut werden musste. Danach musste man erst einmal Autos bauen, dann Fernseher, und den IT-Boom ab 1990 hat Deutschland ja aus Berührungsängsten heraus verschlafen wollen. Darüber hinaus ist die Wachstumslogik des Kapitalismus schlicht ungeeignet, ein stabiles Staatssystem zu begründen.

Zitat:
Über Jahrzehnte wurde entsprechend darauf geachtet, dass sich die Lohnspirale von unten nach oben drehte.
Da möchte man jetzt zurückfragen: "was ist die Lohnspirale, und warum hat sie sich damals in die entsprechende Richtung gedreht"?

Ich würde vorschlagen, den Abstand zwischen dem Wachstum der Reallöhne und dem der Produktivität als Messgröße zu verwenden. Anders als von Borchert dargestellt, gab es da schon immer einen.

Zitat:
Mit der Agenda 2010 wurde diese Richtung umgedreht: Die Lohnspirale wurde nach unten programmiert.
Das kann man gelten lassen, das ist aber unnötig ins Extrem gedacht. Es hat für die Verelendung der breiten Massen schon gereicht, dass die Löhne im Wesentlichen seit 1950 stagniert waren.

Zitat:
Dass wir eine Entwicklung erleben, die mit Erosion und Abwärtsmobilität der Mittelschicht beschrieben werden kann.
Vulgo: Verelendung. Die Antwort fehlt selbst bei Borchert. Der, wohlgemerkt, ein lukratives Amt zur Verfügung hat, das ihn in die Position setzt, gegen die Missstände tatsächlich etwas unternehmen zu können, anstatt däumchendrehend den Niedergang zu beobachten.

Zitat:
Acht Millionen Menschen sind im Niedriglohnsektor beschäftigt, die mit ihrem Einkommen nicht einmal die Existenz sichern können. Warum in diesen Tagen die Agenda 2010 als Erfolg begriffen wird, ist mir ein Rätsel.
Inhaltich ist die Antwort ganz einfach: weil man mit Märchen wie den Obigen ("früher war alles besser", "die Sozialdemokraten sind ganz allein schuld") meint, die Betroffenen beruhigen zu können.

Zitat:
Vor unseren Augen entsteht eine Verfestigung von Armut in der bundesdeutschen Gesellschaft, die früher nicht vorstellbar war.
Er gibt sich sogar selber noch die Antwort...

Zitat:
Die Wurzeln der Agenda 2010 können im Lambsdorff-Papier verortet werden.
Interessantes Detail, aber warum hat die SPD diesen Fehler nicht korrigieren können? Und warum begreift man die CDU nicht als Mittäterin?

Zitat:
Hartz IV sorgt dafür, dass um jeden Preis und für jeden Preis Arbeit angenommen werden muss.
Warum sagt er nicht einfach "Zwangsarbeit"? Weil ihn das in die unangenehme Position versetzen würde, sein Amt zweckmäßig einzusetzen? Oder ist er in Wirklichkeit ein Neoliberaler, der hier Ausflüchte für den politischen Stillstand der Regierungen sucht?

Zitat:
Zitat von sz
Ökonomen sagen, dass die Agenda 2010 Deutschland als Produktionsstandort wieder attraktiv gemacht hat. War also die Schwächung des Faktors Arbeit notwendig?
Zitat:
Zitat von Borchert
Dass sich die Bedingungen für das vagabundierende Finanzkapital der Welt in Deutschland schlagartig verbessert haben, liegt auf der Hand.
Sehr unappetitlich.

https://www.anarchismus.at/anarchist...antisemitismus

Zitat:
Doch das ist eine sehr kurzsichtige Betrachtungsweise, die nur auf die schnellen Profite achtet und nicht auf die langfristigen Schäden an der sozialen Substanz und der Demokratie achten.
Kurz gesagt: Kapitalismus ist einfach nur scheiße...

Zitat:
Die zeigen sich besonders bei der Entwicklung des Humanvermögens, vor allem beim Bildungsniveau. Es sinkt in Deutschland auf breiter Front ab.
Bildung, Bildung über alles.

"Das [deutsche] Bildungsniveau" wird von den Leuten festgestellt, die es definieren - politische Ziele inbegriffen. Da ist das Stichwort "Bertelsmann" wichtig.

Zitat:
Die Bundesrepublik liegt beim Aufwand für Bildung unter den OECD-Staaten an viertletzter Stelle.
Und Bildung sollte man auch nicht nur durch die Brille des Kapitalismus betrachten, die Borchert hier aufsetzen mag.

Zitat:
Wir haben einen festen Sockel von 1,5 Millionen jungen Menschen zwischen 20 und 30 in der Dauerarbeitslosigkeit, obwohl diese Jahrgänge ständig kleiner werden.
Das klingt jetzt derart zynisch, das ich da tatsächlich mangelnde Kompetenz verorten würde.

Zitat:
Diese Instrumente wurden aber größtenteils inzwischen nach Brüssel und an die EZB abgegeben und so der Airbag für den Arbeitsmarkt, demontiert.
Das ist Verschiebung. Wie oben gesagt, es gehört zu seinen Amtspflichten, diese Missstände abzumildern oder sogar zu beseitigen. Sich an seiner Stelle auf einen übermächtigen Staat zu berufen, ist mangelnde richterliche Unabhängigkeit.

Ich vermute mittlerweile, Borchert hat keine Lust mehr auf seinen Job. Das ganze Interview erweckt den Anschein der Befangenheit. Ich vermute, das wird der Grund sein, warum man Richtern im Allgemeinen rät, sich außerhalb ihres Amtes nicht öffentlich zu äußern.

Zitat:
Der Erfolg des deutschen Modells beruhte doch darauf, dass sich alle Akteure an den runden Tisch gesetzt und die Politiken aufeinander abgestimmt haben.
Ein "Erfolg", den man mit der Lupe suchen muss. Entdemokratisierung und Abbau des Rechtsstaats sind schon seit 1949 Standardprogramm der Regierungen.

Zitat:
Wenn man die verheerenden Wirkungen der Agenda 2010 stoppen und umkehren will, wird kein Weg an einer Re-Regulierung der Leiharbeit vorbeiführen. Ein Arbeitsmarkt, bei dem Arbeit und Kapital nicht auf Augenhöhe miteinander verhandeln, kann niemals funktionieren.
Typisch SPD: Minimalforderung stellen und abwarten, bis sich was tut.

Im übrigen handelte es sich oben um keinen Ad-Hominem-Angriff. Der Anschein einer Befangenheit (hier etabliert: Politische) macht Richter ungeeignet für die Ausübung ihres Amtes.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.04.2018, 19:38   #4
Lupo
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Lupo
 
Registriert seit: 19.10.2007
Beiträge: 6.686
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Im übrigen handelte es sich oben um keinen Ad-Hominem-Angriff. Der Anschein einer Befangenheit (hier etabliert: Politische) macht Richter ungeeignet für die Ausübung ihres Amtes.
Wenn du behauptest, er sei befangen, ist das ein ad-hominem, wenn du es nicht beweisen/belegen kannst.
Und in wieweit der Mann als Interviewter befangen ist (und nur das ist in diesem Kontext interessant) bleibt ebenso fraglich.
Wenn er so befangen ist, wie kann er dann so viele ketzerische Dinge über Hartz IV und die Arbeitsmarktpolitik sagen?
Sollte er als "Befangener" Hartz IV dann nicht eigentlich loben?

Und im Übrigen sind nicht nur die Politiker schuld daran, dass es Hartz IV in seiner Form noch gibt, sondern ebenso die vielen Wähler, die SPD,CDU/CSU/FDP wählen.
Kurz: Ein erschreckend großer Teil unserer Bevölkerung findet Hartz IV gut und richtig.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)

Geändert von Lupo (01.04.2018 um 19:40 Uhr).
Lupo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.04.2018, 20:26   #5
Lupo
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Lupo
 
Registriert seit: 19.10.2007
Beiträge: 6.686
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Korrekt, aber warum hat der Bundestag nicht in der Zwischenzeit etwas daran geändert?
Die Antwort ist derart einfach, dass die Frage dümmlich wirkt: Weil die meisten Hartz IV im wesentlichen völlig in Ordnung finden.
Was hat das mit dem Richter und seinen Antworten zu tun?
Antwort: Gar nichts

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Das ist geläufig, es ist aber schon ein starkes Stück, dass man meint, einen Sozialrichter fragen zu müssen, um darüber Auskunft zu erhalten.
Kannst du belegen, dass man „meint das zu müssen“oder kann es nicht einfach sein, dass man die Antworten eines Sozialrichters zu dem Thema interessant findet?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Meines Wissens gibt es keine "Ideale der sozialen Marktwirtschaft", die Gesetz wären oder irgendwie sonst Beschlusslage des Bundestages.
kann es sein, dass er es genau deshalb „Ideale der sozialen Marktwirtschaft nennt? Und nicht Gesetz der sozialen Marktwirtschaft?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Darauf käme es aber an. Beschlusslage ist: Faschokapitalismus per Agenda 2010. Und er in seiner Position als Sozialrichter wäre dafür zuständig, die härtesten Auswüchse dieser Fehlentwicklung zu bekämpfen - und zwar im Amt, und nicht, indem er der SZ (vermutlich wegen ihres "sozialen" Rufs) feuilletonistische Interviews gibt.
Woher weißt du denn, dass er das (im Rahmen des ihm Möglichen) nicht tut?
Ich schätze, das war mal wieder ein ad-hominem.....


Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wieder inhaltlich falsch: Den "Aufstieg der Bundesrepublik" (den Erfolg des goldenen Zeitalter des Kapitalismus) haben wir der Tatsache zu verdanken, dass nach dem zweiten Weltkrieg alles mögliche kaputt war und aufgebaut werden musste.
Ja, das ist die eine Hälfte, die andere Hälfte ist das, was der Richter gesagt hat.


Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Da möchte man jetzt zurückfragen: "was ist die Lohnspirale, und warum hat sie sich damals in die entsprechende Richtung gedreht"?
Echt jetzt? Dumm stellen?
Beide Fragen sind im Interview beantwortet.



Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Das kann man gelten lassen, das ist aber unnötig ins Extrem gedacht. Es hat für die Verelendung der breiten Massen schon gereicht, dass die Löhne im Wesentlichen seit 1950 stagniert waren.
Dann hätte es diese Verelendung ja schon seit den 50er Jahren geben müssen....
Gab es aber nicht.



Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Inhaltich ist die Antwort ganz einfach: weil man mit Märchen wie den Obigen ("früher war alles besser", "die Sozialdemokraten sind ganz allein schuld") meint, die Betroffenen beruhigen zu können.
So ein Unsinn. Wie kann man Menschen mit „früher war alles besser“ davon überzeugen, dass hartz IV gut ist?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Interessantes Detail, aber warum hat die SPD diesen Fehler nicht korrigieren können? Und warum begreift man die CDU nicht als Mittäterin?
1) Weil sie es in weiten Teilen gar nicht als Fehler sieht?
2) Weil man der CDU (im Gegensatz zur SPD) noch nie oder wenigsten schon viel länger, keine sozialen Interessen nachsagt?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Warum sagt er nicht einfach "Zwangsarbeit"? Weil ihn das in die unangenehme Position versetzen würde, sein Amt zweckmäßig einzusetzen?
Es bleibt die Frage (siehe oben) was weißt du darüber wie er seine Arbeit verrichtet?
Da ich fürchte, dass du darüber gar nichts weißt, ist das nur ein ad-Hominem

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Oder ist er in Wirklichkeit ein Neoliberaler, der hier Ausflüchte für den politischen Stillstand der Regierungen sucht?
Oder ist dies das nächste ad-Hominem?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Und Bildung sollte man auch nicht nur durch die Brille des Kapitalismus betrachten, die Borchert hier aufsetzen mag.
Deer Kontext gibt hier die Betrachtungsweise vor.
Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Das klingt jetzt derart zynisch, das ich da tatsächlich mangelnde Kompetenz verorten würde.
Kannst du erklären, warum es zynisch ist, wenn er Fakten referiert?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Das ist Verschiebung. Wie oben gesagt, es gehört zu seinen Amtspflichten, diese Missstände abzumildern oder sogar zu beseitigen. Sich an seiner Stelle auf einen übermächtigen Staat zu berufen, ist mangelnde richterliche Unabhängigkeit.
ad-hominem
Denn ich nehme an, dass du IMMER noch nicht weißt, wie er tatsächlich sein Amt verrichtet.

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich vermute mittlerweile, Borchert hat keine Lust mehr auf seinen Job. Das ganze Interview erweckt den Anschein der Befangenheit. Ich vermute, das wird der Grund sein, warum man Richtern im Allgemeinen rät, sich außerhalb ihres Amtes nicht öffentlich zu äußern.
Und das nächste ad-hominem....

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Im übrigen handelte es sich oben um keinen Ad-Hominem-Angriff. Der Anschein einer Befangenheit (hier etabliert: Politische) macht Richter ungeeignet für die Ausübung ihres Amtes.
Dein Antwort ist voll von ad-hominems und dies hier war wieder eines.
Hier ist er Interviewter und nicht Richter, also waltet er nicht seines Amtes.
Und inwiefern jemand politisch befangen sein soll, der gegen den politischen Mainstream redet, bleibt allein dein ad-hominem-Geheimnis.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
Lupo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.04.2018, 15:52   #6
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.125
Standard

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Wenn du behauptest, er sei befangen, ist das ein ad-hominem, wenn du es nicht beweisen/belegen kannst.
Der Beleg findet sich oben, und ich behaupte nur, dass allein dieser Artikel Anlass geben wird, zu vermuten, er sei befangen. Das ist in diesem Zusammenhang das, worauf es ankommt.

Zitat:
Und in wieweit der Mann als Interviewter befangen ist (und nur das ist in diesem Kontext interessant) bleibt ebenso fraglich.
Da hast Du mich falsch verstanden. Und anscheinend auch die Tatsache, dass Menschen sich nicht in mehrere Teile teilen können: einen für den Job, den anderen für die Öffentlichkeit usw. - Ich würde so einen Versuch auch für psychiatrisch riskant halten, gewissermaßen.

Zitat:
Wenn er so befangen ist, wie kann er dann so viele ketzerische Dinge über Hartz IV und die Arbeitsmarktpolitik sagen?
Diesen Versuch, weichgespülte Kritik zur Rechtfertigung des eigenen Versagens im Dienst zu verwenden, magst Du "Ketzerei" nennen? Der ist doch ganz auf der Linie der SPD...

Zitat:
Sollte er als "Befangener" Hartz IV dann nicht eigentlich loben?
Nicht notwendig. Ich denke, jemand kann durchaus z.B. nur oberflächlich Kritik üben. Nur die Fassade weißeln sozusagen.

Zitat:
Und im Übrigen sind nicht nur die Politiker schuld daran, dass es Hartz IV in seiner Form noch gibt, sondern ebenso die vielen Wähler, die SPD,CDU/CSU/FDP wählen.
Ich denke, ehrlich gesagt, sehr viele Menschen wissen überhaupt nicht, wofür sie da ihre Kreuze gemacht haben. Jedenfalls ist das der Eindruck, den ich bekomme, wenn ich mit den Menschen rede. Es gibt natürlich auch diejenigen, die davon überzeugt sind, dass "innerer Kolonialismus" den Weg in die Zukunft weist. Die sind aber stark in der Minderheit, meiner Meinung nach.

Zitat:
Kurz: Ein erschreckend großer Teil unserer Bevölkerung findet Hartz IV gut und richtig.
Selbst daraus würde sich nicht ergeben, dass man das Verbot der Zwangsarbeit in Frage stellen darf.

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Zitat:
Korrekt, aber warum hat der Bundestag nicht in der Zwischenzeit etwas daran geändert?
Die Antwort ist derart einfach, dass die Frage dümmlich wirkt: Weil die meisten Hartz IV im wesentlichen völlig in Ordnung finden.
Selbst, wenn das der Fall wäre, bliebe es Unrecht, selbst dann wäre der Bundestag noch zuständig, das Gesetz ggf. zu ändern, und selbst dann bliebe die Frage offen, wie man überhaupt so denken kann.

Mir persönlich würde das weh tun.

Zitat:
Was hat das mit dem Richter und seinen Antworten zu tun?
Antwort: Gar nichts
Schön, dass Du uns die Welt erklärst.
  1. Muss der Richter nicht nur einfache Gesetze, sondern auch die Verfassung verwirklichen
  2. Wäre er ziemlich naiv, wenn er sich in seinen amtlichen Entscheidungen von einer (auch noch als solchen Wahrgenommenen) Mehrheit lenken ließe

Das ist sowieso idiotisch, aber bei Richtern doppelt idiotisch.

Zitat:
Kannst du belegen, dass man „meint das zu müssen“oder kann es nicht einfach sein, dass man die Antworten eines Sozialrichters zu dem Thema interessant findet?
Mir erklärt sich nicht, warum man einen Sozialrichter fragt, um die Antworten zu erhalten, die auch Spahn, Müntefering, Nahles oder Wagenknecht geben würden. Oder die man in den entsprechenden Parteiprogrammen nachlesen kann, wenn einem danach ist. Da ist also schon auch noch so ein bisschen Inkompetenz der Journalisten im Spiel.

Zitat:
kann es sein, dass er es genau deshalb „Ideale der sozialen Marktwirtschaft nennt? Und nicht Gesetz der sozialen Marktwirtschaft?
Sicherlich. Das war aber nicht das, was ich aussagen wollte. Der Mensch soll die Verfassung zur Grundlage seiner Entscheidungen machen, nicht irgendwelche Dampfblasen der SPD...

Zitat:
Zitat:
Darauf käme es aber an. Beschlusslage ist: Faschokapitalismus per Agenda 2010. Und er in seiner Position als Sozialrichter wäre dafür zuständig, die härtesten Auswüchse dieser Fehlentwicklung zu bekämpfen - und zwar im Amt, und nicht, indem er der SZ (vermutlich wegen ihres "sozialen" Rufs) feuilletonistische Interviews gibt.
Woher weißt du denn, dass er das (im Rahmen des ihm Möglichen) nicht tut?
Ich schätze, das war mal wieder ein ad-hominem.....
Nein, war es nicht.

Könnte er denken, oder seine Entscheidungen entsprechend der Gesetzeslage begründen, würden die Tageszeitungen anders titeln, und das auch sehr häufig. Und er müsste sich dann darauf berufen, dass er nun einmal Richter ist, und dass man, wenn einem an seinen Urteilen etwas nicht passt, vor die nächste Instanz gehen kann. Seine bisherige Arbeit war so unbedeutend, dass ich noch nicht einmal davon gehört habe...

Zitat:
Zitat:
[Lohnspirale/Drehrichtung]
Beide Fragen sind im Interview beantwortet.
Das kann man so sehen, aber warum bedient er sich solcher Worte? Warum sagt er nicht z.B. "Dadurch, dass man Ausbeutung zum Normalfall gemacht hat, hat man sehr vielen Menschen sehr viel Lebensqualität genommen"?

Zitat:
Dann hätte es diese Verelendung ja schon seit den 50er Jahren geben müssen....
Gab es aber nicht.


Wie gesagt: Wiederaufbau und der Auto-Boom scheinen einen Teil davon abgefangen zu haben. Aber ansonsten hast Du Recht. Also, bis auf die Behauptung, es hätte gar keine Verelendung gegeben. Das Du Schwierigkeiten hast, diese Tatsache anzuerkennen, haben wir ja erkennen können.

Zitat:
So ein Unsinn. Wie kann man Menschen mit „früher war alles besser“ davon überzeugen, dass hartz IV gut ist?
Wie das psychologisch funktionieren kann, ist mir auch schleierhaft. Ich nehme an, das ähnelt dem, was Assmann "fundierende Mythen" nennt. Bei Licht betrachtet ist die Forderung ja absurd: "Gerade weil es uns früher besser ging, müssen wir jetzt dafür sorgen, damit es uns schlechter geht, damit wir die Motivation entwickeln, zu arbeiten, damit es uns wieder besser geht".

Das scheint sehr viele Leute nicht daran zu hindern, so zu denken, was Du ja auch zu erkennen scheinst. Oder warum sind so viele Leute von Hartz IV überzeugt?

Es wäre fast witzig, wenn es nicht so traurig wäre. Das zeigt nämlich, dass Leute erstens beliebig große (folgenschwere) Lügen glauben, und zweitens, dass Umdenken noch schwerer zu sein scheint als sich selber zu verletzen - was man ja letztendlich damit tut, dass man z.B. CDU oder SPD wählt.

Ich würde da auch, ehrlichgesagt, den Frame der Psychologie oder Psychiatrie bevorzugen.

Zitat:
Zitat:
Interessantes Detail, aber warum hat die SPD diesen Fehler nicht korrigieren können? Und warum begreift man die CDU nicht als Mittäterin?
1) Weil sie es in weiten Teilen gar nicht als Fehler sieht?
Und, was sagt das? Richtig: nüscht. Davon wird kein Verbrechen legal, noch nicht einmal ein Verfassungsbruch. Die Leute reden sich nur ein, dass ganz viele andere Leute so denken würden, und dass sie deswegen so handeln dürften.

Zitat:
2) Weil man der CDU (im Gegensatz zur SPD) noch nie oder wenigsten schon viel länger, keine sozialen Interessen nachsagt?
Und? Was heißt das?

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_38.html

Dass man da entweder ein hartes Urteil über das fällen muss, was diese Leute als ihr Gewissen ausgeben, oder aber, dass sie eben einem Auftrag gehorchen, die breite Masse ihrer Wähler zu ignorieren... Anderes scheint nicht geeignet, dieses Phänomen zu erklären.

Zitat:
Zitat:
Und Bildung sollte man auch nicht nur durch die Brille des Kapitalismus betrachten, die Borchert hier aufsetzen mag.
Deer Kontext gibt hier die Betrachtungsweise vor.


Framing eben. Aber gerade diese Betrachtungsweise ist es ja, von der die Leute denken, man dürfte z.B. die Verfassung brechen, wenn das Ergebnis wenigstens ökonomisch wünschenswert scheint. Das ist halt genau die falsche Perspektive auf das Problem...

Zitat:
Zitat:
Das klingt jetzt derart zynisch, das ich da tatsächlich mangelnde Kompetenz verorten würde.
Kannst du erklären, warum es zynisch ist, wenn er Fakten referiert?
  1. Ist da gar kein Widerspruch
  2. Ändert Dein Werturteil ("Fakten referieren") nichts an dem, was er sagt
  3. Zynisch ist, sich (als Richter!) der Erkenntnis zu verweigern, dass "diese Jahrgänge kleiner werden", weil man die Betreffenden Zwangsarbeit unterwirft

Meiner Meinung nach ist das ungefähr so zynisch, wie zu behaupten, es hätte keine Verelendung gegeben, oder dass man die Verfassung nicht beachten bräuchte, wenn man die Mehrheit hinter sich hat.

Zitat:
Hier ist er Interviewter und nicht Richter, also waltet er nicht seines Amtes.
Lies nochmal nach:

Zitat:
Zitat von basti_79
Ich vermute mittlerweile, Borchert hat keine Lust mehr auf seinen Job. Das ganze Interview erweckt den Anschein der Befangenheit. Ich vermute, das wird der Grund sein, warum man Richtern im Allgemeinen rät, sich außerhalb ihres Amtes nicht öffentlich zu äußern.
Zitat:
Und inwiefern jemand politisch befangen sein soll, der gegen den politischen Mainstream redet, bleibt allein dein ad-hominem-Geheimnis.
  1. Ob er da gegen den (vielleicht sogar gegen den politischen) Mainstream redet oder nicht, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, ob es so aussieht, als hätte er sich vor einem Prozess ein Urteil gebildet
  2. Dieser Eindruck wird in Zukunft immer entstehen, da er, nachdem man ihn gefragt hatte, schlicht und einfach die Platte der SPD aufgelegt hat
  3. Und vermutlich wird man auch das der SPD noch nachtragen
  4. Ich unterstelle wohlgemerkt, dass Borchert auch schon früher denken konnte und ein wenig von seinem Job versteht

Die haben einfach kein Glück, die Genossen...
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Wie Framing funktioniert: Torsten Kleinz schreibt die Piratenpartei runter basti_79 Politik & Zeitgeschehen 0 18.05.2017 14:57
Der Duft eines Kometen Zeitungsjunge scienceticker.info 0 23.10.2014 16:12
Echo eines Rücktritts gapping Politik & Zeitgeschehen 6 10.06.2014 20:40
Anatomie eines Asteroiden Zeitungsjunge scienceticker.info 0 14.01.2011 19:21
Der Tod eines Papstes Zwirni Religion 2 16.11.2003 01:00


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 00:28 Uhr.


Powered by vBulletin® ~ Copyright ©2000 - 2018 ~ Jelsoft Enterprises Ltd.


Das forum.grenzwissen.de unterliegt der Creative Common Lizenz, die Sie hier nachlesen können.
Wir bitten um Benachrichtigung, falls Sie Inhalte von uns verwenden.