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Alt 22.09.2002, 17:43   #17
Torsten Migge
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Die Geschichte um das Philadelphia Experiment könnte sich Teilweise auf Tatsachen beziehen. Entweder - wie auch Lazarus schrieb - experimentierte die Marine an der Entmagnetisierungsmethode herum, um sie zu verbessern oder andere Möglichkeiten zu erforschen, oder in Philadelphia wurde NUR entmagnetisiert. Wie auch immer, es könnte von Allende beobachtet worden sein, oder er hatte davon gehört, und hat dann eine wüste Story erfunden.
Allende sagte ja auch, dass um das Schiff dicke Kabel gelegt wurden. Nun, eine Abwehrmethode gegen deutsche Torpedos oder Minen bestand darin, dass man um den Schiffskörper eine Kabelspule legte und durch elektrischen Strom ein Magnetfeld erzeugte. Magnetgezündete Sprengmittel wurden damit weit vom Schiff entfernt gezündet. Damit wurden die deutschen U-Boot-Torpedos mit ihren magnetisch zündenden Abstandspistolen wirkungslos (Funktion der Torpedos hier klicken. Site meiner HP.).

Was den Inlandkanal, den Chesapeake-Delaware-Kanal, betrifft, so sagte dies unteranderem Edward Dudgeon, ein ehemaliger Matrose, aus, was später von hohen Marineoffizieren bestätigt wurde und der heutigen Geschichtsschreibung bekannt ist.

Die Marinewerft in Philadelphia wurde nicht nur zur Entmagnetisierung genutzt, sondern hier wurden auch während des Zweiten Weltkrieges Schiffe ausgerüstet und umgebaut.
Ab 1942/43 wurden die alliierten Schiffe mit neuartigen Techniken ausgerüstet. Unter anderem wurden neue Schrauben für hohe Drehzahlen eingebaut, die ein Geräusch mit anderen Tönen als die bisherigen Schrauben abgaben, um es deutschen U-Booten schwerer zu machen, das Schiff zu hören. Desweiteren wurde ein neues Sonar zur Unterwassererkennung installiert. Bei Zerstörern wurde eine Vorrichtung, dem sogen. 'Igel', vor dem vorderen Geschützturm am Bug eigebaut, wodurch Tiefenladungen (Wasserbomben gegen deutsche U-Boote) in Batterien von 24 Stück auf einmal abgefeuert werden konnten und man konnte dabei eine Fläche von 180º auf einer Entfernung von bis zu einer Meile abdecken.
Ein weiteres Gerät welches ab 1942 Anwendung fand, war der sogen. 'Foxer' oder auch 'Klappe', der eine halbe Meile hinter dem Heck hergezogen wurde und Signale abgab, die denen der Schrauben eines Handelsschiffes ähnelten. Diese Signal lockten deutsche U-Boote an, die dann ihre Torpedos darauf ab feuerten und dadurch ihre Position verrieten.
Diese angewandten Techniken und Geräte, die teilweiser Geheimhaltung unterlagen, sind der allgemeinen Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkrieges bekannt (auch auf meiner HP unter "Geschichte der deutschen Kriegsmarine" zu lesen).

Mit solchen Geräten wurden nach Edward Dudgeons Angaben zur selben Zeit im Juli 1943 in Philadelphia die Schiffe DE 48, 49, 50 und die Eldridge ausgerüstet.
Dudgeon diente von 1942 bis 1945 in der Marine und befand sich nach eigenen Aussagen mit seinem Schiff, der DE 50 USS Engstrom, zur selben Zeit wie die DE 173 Eldridge in Philadelphia. Er war Elektromaat, die USS Engstrom wurde dieselelektrisch angetrieben.
Das National Bureau of Standards brachte auch in einem Kasten einen Eichkompass an Bord, mit dem der Schiffskompass wärend Probefahrten quasi geeicht wurde.

Edward Dudgeon sagte allerdings auch, dass die Fahrt von Philadelphia nach Norfolk durch den Chesapeake-Delaware-Kanal nur 6 Stunden dauerte.
Das kann aber unmöglich stimmen, denn schon die Luftlinie zwischen Norfolk und dem Hafen von Philadelphia beträgt gute 400 Kilometer! Für diese Verbindung muss man einen Bogen durch die Bucht von Chesapeake fahren; rechnen wir also nochmal 50 km dazu.
Die bestmotorisierten Kriegsschiffe brachten es damals auf 50km/h (Schlachtschiffe auch mehr). Das bedeutet, dass man 9 Stunden unterwegs wäre, wenn man Unwahrscheinlicherweise annimmt, dass man kontinuierlich mit Volldampf fahren konnte. Rechnet man dann noch mit Bugsieren und Anlegen in zwei Häfen, langsame Fahrt in den Schiffahrtsbereichen vorm Potomak und der Chesapeak Bay, sollte man noch mehr Zeit einplanen.
Ob der Weg durch den Kanal wirklich eine Zeitersparnis war, bleibt zweifelhaft. Möglicherweise benutzte man den Kanal, um vor deutschen U-Booten geschützt zu sein.

Insofern diskreditiert sich Dudgeon mit seiner Angabe von 6 Stunden möglicherweise selbst...
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