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Alt 16.11.2010, 21:15   #33
JamesBolivar
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Ich las vor einigen Jahren eine Zusammenfassung eines Neurologen, der bleibende Veränderungen im neuronalen Zusammenspiel mit dem Ergebnis deutlicher Verschlechterungen kognitiver Leistungen auf anhaltenden THC-Konsum zurückführt. Das würde sich auch mit meinen Beobachtungen decken.

Es ist zwar problematisch, einzelne Faktoren als Ursache individueller Entwicklungen anzusehen, und dann auch noch auf subjektive Eindrücke gestützt, aber ich meine, bei denjenigen Konsumenten, die ich seit vielen Jahren kenne, sogar ein relativ einheitliches Störungsbild wahrnehmen zu können, und neige dazu, an einen deutlichen Einfluss zu glauben.

Ich würde fast soweit gehen, von einer typischen Cannabis-Psychose zu sprechen, und eine sonst unübliche Agressionsform zuzuordnen, die sich häufig auf fanatisch beibehaltene geradezu paranoide soziale Wahrnehmungen stützt, und mit der völligen Unfähigkeit einhergeht, ganz normale soziale Kontexte wahrzunehmen.

Eine Suchtproblematik tritt wohl nur bei diesen multiplen Sonderfällen auf, die offenbar ohne Probleme zwischen Alkohol, Cannabis, Heroin und den verbreiteteren Ersatzstoffen wechseln können, und mit jedem dieser Suchtstoffe in einen entzugsfreien Zustand eintreten, ansonsten aber das Verhalten von Schwerstabhängigen zeigen.

Nachdem ich Heroinabhängige als Alkoholker enden sah, nicht abhängige Heroinkonsumenten kannte, völlig steuerungsunfähige Cannabis-Konsumenten erlebt habe, die sich schlimmer aufgeführt haben als Heroin-Junkies, hab ich ein gestörtes Verhältnis zur Vokabel Sucht. Ich hab ein Jahr lang unter Obdachlosen gelebt. Das verschafft irritierend harte Einblicke in das Verhältnis zwischen Menschen, Drogen und gebrochenen Biografien.
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