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Alt 28.03.2005, 14:27   #26
Basilios
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Habe am Freitag auf 3sat die Sendung gesehen, von der Unwissenheit vermutlich sprach. Deswegen noch einige Anmerkungen hierzu.

1. Da Vincis Interesse an der Fotografie als perfekte Abbildung der Natur wurde mehrfach erwähnt. Hätte er tatsächlich einen Weg zur Weiterentwicklung der Camera Obscura gefunden, wäre das für ihn wie die Entdeckung des Heiligen Grals gewesen - er hätte mit diesem Wissen weitergearbeitet und weitere Fotografien angefertigt.
2. Hätte Da Vinci eine Fälschung für das damalige Volk anfertigen wollen, hätte er dies weitaus einfacher bewerkstelligen können - nämlich mit einem ganz einfachen Gemälde. Da Vinci besaß die nötigen zeichnerischen Fähigkeiten, um ein Bild so herzustellen, dass es vom damaligen "gemeinen Volk" nicht als Produkt menschlicher Arbeit zu erkennen gewesen wäre (von der heutigen Wissenschaft allerdings schon!).
Und wenn schon nicht das ganze Bild, dann zumindest das Blut. Aufgemaltes Blut hätte man ohne moderne Analyse kaum von echtem unterscheiden können, es handelt sich aber nachweislich um Menschenblut (Blutgruppe AB).
3. Von der Gerichtsmedizin festgestellte Wunden:
1) Schwellung beider Augenbrauen
2) eingerissenes rechtes Augenlid
3) große Schwellung unter dem rechten Auge
4) geschwollene Nase
5) dreieckige Wunde auf der rechten Wange mit Spitze zur Nase weisend
6) Schwellung an der linken Wange
7) Schwellung an der linken Seite des Kinns
Desweiteren ist der Oberkörper auf die Weise verkrampft, wie es für einen Gekreuzigten typisch ist.
Da Vinci müsste sich demnach ziemlich übel zugerichtet haben, bevor er sich fotografiert hat. Fragt sich nur, wieso!
4. Die Dokumentation lässt viele wissenschaftliche Erkenntnisse (die ganzen "Kleinigkeiten", die in ihrer Gesamtheit aber doch so schwerwiegend sind) außer Acht. Die ganze Argumentation ist sehr oberflächlich, was jedoch bei einer 45-Minuten-Sendung auch verständlich ist.
5. Das Problem mit dem "Mittelalter". Die Theorie einer mittelalterlichen Fälschung existiert schon weitaus länger als die Da-Vinci-Theorie. Man ging dabei zunächst von einer Malerei aus, bis die Beweiskraft gegen diese Idee zu erdrückend wurde. Um nun eine plausible Erklärung für die Entstehung liefern zu können, wurde die Idee der Fotografie aufgegriffen und ein Mensch gesucht, der "im Mittelalter" die nötigen Fähigkeiten für eine solche fotografische Fälschung gehabt hätte: Da Vinci. Dass dieser aber nicht mehr wirklich im Mittelalter lebte, sondern an der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit (Renaissance), wurde dabei außer Acht gelassen. Die Geschichte des Grabtuches ist aber ab dem 14. Jahrhundert gesichert, das war lange vor Da Vincis Zeit. Zur Lösung dieses Problems wurde die lächerliche Antwort gegeben, ein älteres Tuch sei mit Da Vincis Fälschung ausgetauscht worden. Das ist meines Erachtens Argumentation auf einfachster Ebene.

Weitere Punkte gegen diese Theorie und für die Echtheit habe ich ja schon im vorigen Posting genannt.
Will denn wirklich niemand mehr mit mir darüber diskutieren?
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