Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 07.07.2014, 16:21   #8
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.933
Standard

Ich denke, "social networks" sind für den Notfall eher hinderlich als nützlich
  1. Muss es sich um ein plötzliches und trotzdem vorhersehbares Ereignis handeln, damit der Zeitvorteil "etwas bringt"
  2. Wird ihre Bedienung Zeit fressen, die anders besser investiert wäre
  3. Ist die Penetranz der Nachricht nicht besonders groß (bestenfalls Prozente) - das ist besonders bei sehr dringlichen Botschaften hinderlich
  4. Betreffen vieler solche Naturereignisse tatsächlich nur wenige Leute (Überflutungen nur welche, die in der Nähe von Flüssen wohnen, z.B.) - was die Penetranz dann nochmal reduziert.
  5. oder lassen sich sogar manchmal ignorieren (Orkane etwa, hierzulande wohl die größte und häufigste Gefahr, kann man innerhalb von Gebäuden fast sicher überleben)
In Japan gibt es ein System, das auf die (ungefährlichen) Skalarwellen eines Erdbebens reagiert, und so wenige Sekunden, bevor die (gefährlichen) Transversalwellen eintreffen, in alle Fernsehkanäle eine Warnung einblendet und einen Ton. Gerüchtehalber hat sich deswegen manch einer rechtzeitig unter einen Türsturz gestellt oder ist unter einen Tisch gekrochen.


Es fällt mir schwer, mir in Deutschland eine Naturkatstrophe vorzustellen, die sowohl vorhersehbar ist, als auch hinreichend treffsicher über Social Media vorwarnbar ist. Wir haben einfach Glück: Erdbeben gibt es nur milde, Vulkane habe wir keine (und wir wissen auch nicht, wann sie ausbrechen), wir bauen Häuser stabil genug und sägen auch Bäume ab, die umfallen könnten.


Ich kann mir sinnvolle Nutzung des Internet für den Katastrophenschutz vorstellen, keine Frage. Aber doch nicht, indem man die Benachrichtigung der Bevölkerung beschleunigt. Eigentlich gibt es nur eine Art von Gefahr, vor der man schnell alle warnen muss, und an diese mag ich nicht denken. Zumal wir dafür überall noch Sirenen haben. Vielleicht solltet ihr die lieber ölen, statt eine "Strategie der Spannung" anzuwenden.


Auf einem Festival habe ich mal erlebt, wie bei einer anziehenden Gewitterfront die gesamte Beleuchtung auf Rot geschaltet wurde und eine Durchsage über alle Lautsprecher ging. Man verkrümelte sich in seine Zelte und wartete in der Stille ab, bis das Unwetter vorüber war. Ging. Einige Pavillons sind geflogen und so. Aber danach kam die Sonne wieder hervor, ging unter, die Musik wurde wieder angestellt und die Nacht wurde bombastisch. Ganz ohne social media.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist gerade online   Mit Zitat antworten